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Gebaerden-Sprachkurse - Die ganze Welt soll mit den Haenden sprechen E-Mail

Zwischen den laut wummernden Bässen einer Großraumdiskothek können sie sich mühelos verständigen. Vorausgesetzt, sie haben einen guten Blickkontakt. Fünf Frauen und ein Mann treffen sich alle 14 Tage im Biebricher Nachbarschaftshaus und pauken Vokabeln. Ihre Sprache ist aber weder Englisch noch Spanisch, sie sprechen mit den Händen.

Die Gebärdensprache ermöglicht es Menschen mit einer Hörbehinderung, in Kontakt mit ihrer Umwelt zu treten. Denn Isolation ist eines der Hauptprobleme von Hörgeschädigten, weiß Kerstin Schönfelder-Klier aus eigener Erfahrung. Sie selbst ist mehrfach körperbehindert und fast taub.

Gemeinsam mit ihrem Mann Radovan leitet sie den Kurs. Sie unterrichtet mittlerweile seit 14 Jahren und hat diese besondere Sprache in kurzer Zeit gelernt, um mit ihrer Familie und ihren Freunden kommunizieren zu können. Dafür hat sie Kurse in ganz Deutschland besucht, denn die Angebote waren damals noch sehr spärlich.

Sie möchte vor allem den Betroffenen Mut machen, zu lernen, sich wieder zu artikulieren und setzt dabei auch auf die Verantwortung der Angehörigen. "Viele ziehen sich zurück, tun einfach so, als würden sie etwas verstehen", weiß sie. "Aber Ja sagen und nicken ist noch keine Antwort", verrät sie weiter. "Stellen Sie eine Folgefrage und Sie werden erfahren, ob Sie verstanden worden sind", schmunzelt die selbstbewusste Frau.

In ihren Kurs kommen fast nur Frauen. In den vielen Jahren hat sie vielleicht fünf Männer im Kurs gehabt, überlegt sie. "Ich würde mir wünschen, dass vor allem Paare zu uns kommen, denn in einer Beziehung ist Kommunikation doch das wichtigste", sagt die engagierte Lehrerin.

Im aktuellen Kurs hat sich tatsächlich ein Ehepaar eingefunden. Raimund Naethbohm ist schwerhörig und hat sich gemeinsam mit seiner Frau Magdalene entschlossen, den Kurs zu besuchen. "Ich habe ihn einmal in der Kur besucht und gesehen, wie sich Menschen in einem riesigen Saal miteinander unterhalten haben, ohne schreien zu müssen", erinnert sich Magdalene Naethbohm. Beide sind mittlerweile Rentner und sehen den Kurs auch als eine Möglichkeit an, sich "geistig fit zu halten", wie sie es formuliert.

Eleonore Bernart ist ebenfalls im Ruhestand und weist auf einen weiteren Aspekt des Kurses hin. "Ich habe hier gelernt, meine Schwellenangst gegenüber Behinderten abzubauen", erzählt sie.

Andrea Wittgen arbeitet mit Blinden und Sehbehinderten

und sieht den Kurs als Ergänzung zu ihrer Tätigkeit an. Die Erzieherin Kathrin Horn hat während der Ausbildung ein Praktikum in einem Gehörlosen-Internat absolviert und war fasziniert davon, wie gut man sich mit Gebärden unterhalten kann. Die beiden jungen Frauen sind nach der Erfahrung von Kerstin Schönfelder-Klier typische Kursteilnehmer: jung, weiblich und im sozialen Bereich tätig.

Von dem Engagement der beiden Kursleiter zeigt sich Karin Drexel besonders beeindruckt. "Ich finde es toll, wie intensiv die beiden das machen!" Außerdem hat sie mittlerweile einige der Gesten schon in ihren Alltag übernommen, lacht sie. "Gebärdensprache sollte Weltsprache werden", ist sie der Meinung. Denn sie ist tatsächlich unabhängig von Nationalsprachen.

Einige der Vokabeln sind aus dem Alltag entnommen und Kerstin Schönfelder-Klier versucht immer wieder, sie verständlich herzuleiten. Italien etwa sieht auch in der Gebärdensprache mit etwas Fantasie wie das Stück eines Stiefels aus.

Ihr Mann unterstützt sie dabei tatkräftig. Er selbst hat seine Frau beim Studium in Hagen kennen und lieben gelernt. "Anfangs haben wir uns ganze Nächte lang geschrieben", erinnert er sich. Dann hat sie ihm die Gebärdensprache beigebracht - innerhalb von sechs Monaten. Heute unterrichten sie im Tandem. Wenn die Kursteilnehmer Fragen haben, die seine Frau nicht verstehen kann, übersetzt er.

Und sie greift energisch ein, wenn er ihr einmal etwas nicht übersetzt. "Was ist los?", drängt sie ihn dann mit Nachdruck und bekommt natürlich prompt die Übersetzung geliefert.

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